Frohes, Neues... Was heißt hier froh?

Liebste Leserinnen und Leser,

 

das neue Jahr ist gerade erst gestartet. Welche Gedanken begleiten uns dazu? Vielleicht seid Ihr mit Wünschen, Vorsätzen und neuen Routinen ausgestattet, oder ganz im Gegenteil, gelassen und fernab von Erwartungen.

Ich nehme mir seit Jahren vor genügsamer zu sein. Das klappt rückblickend immer besser. Vielleicht liegt es eher am Alter, stoisch dem zuzuschauen, was passiert, ohne jedes noch so kleine Vorkommnis bewerten zu müssen. Man wird nicht jünger, sagt man. Nur gelassener.

Meine täglichen Routinen wiederum beherzige ich seitdem ich denken kann, denn sie sind notwendig, wie die Luft zum Atmen. Sonst nämlich gehe ich im Alltag sang- und klanglos unter. Nichts erregt mich so, wie eingehaltene Routinen, ob im Sinne meines Putzplans oder der angefertigte Einkaufszettel, fein säuberlich angeordnet in der Laufrichtung des Supermarkts, eingeschlossen das Augenrollen, wenn ich in Gang 10 umdrehe, weil ich die Gurken in Gang 1 vergessen habe. Routinen erfüllen mich also und machen mich stark, was eigentlich nur ein gut getarnter Kontrollzwang ist, weil ich sonst in Panik und Selbstzweifel ausbrechen würde. So jedenfalls starte ich in das neue Jahr 2026. Etwas kopflastig, aber zuversichtlich.

 

Einige andere von Euch nahmen vielleicht den Jahreswechsel kaum wahr und beginnen weniger euphorisch und zuversichtlich, gerade die, die mit ihrer Trauer kämpfen müssen. So einige Familien durfte ich zwischen Weihnachten und dem Jahreswechsel begleiten, die einen geliebten Menschen gehen lassen mussten, und deswegen in 2026 sicher weniger mit der Unwichtigkeit des Alltags beschäftigt sind, sondern mit Zweifeln, Verlust und dem Gedanken, wie das Leben überhaupt weitergehen soll.

Die kurzen kurzen Momentaufnahmen, die ich aus den Vorbereitungen zur Trauerfeier mitbekomme, sind nur ein kleiner Eindruck der Gefühlspalette von Hinterbliebenen, aber sie prägen sich ein. Die Blicke, die verloren wirken. Die Hände, die Halt suchen. Nichts wird sein wie vorher und unheimlich schwer wirkt das Danach.

So begegnen sich beide Welten im neuen Jahr. Wir begegnen uns. Und vielleicht ist das der Weg zueinander, der im Verständnis, in Rücksicht, damit alle Seiten sich gesehen fühlen. Wem will man das Glück absprechen, ein neues Jahr zu beginnen, neue Chancen zu ergreifen und dabei Freude zu empfinden? Wem will man Einhalt gebieten, sich der Trauer hinzugeben und der Verzweiflung Raum zu geben?

Ehrlich gesagt, für jeden von uns heißt es, sich langsam hineinzufinden in 2026. Jeder wird seinen Weg gehen im eigenen Tempo, verarbeiten, vergeben. Auch dem Leben vergeben, denn es ist wie wir, unperfekt und unbedarft. Und hoffentlich werden wir gemeinschaftlich darauf vertrauen, dass sich das Glück früher oder später wieder zeigt, und am Ende die Hoffnung uns allen ein Lichtblick sein wird.

 

Wie schön, dass wir diese Zeilen miteinander teilen und uns fortan jeden Monat hier treffen dürfen, um unseren Gedanken Raum zu geben.

Seid ehrlich... Wie lief Euer Start in 2026? Welche Gedanken und Gefühlen nehmt Ihr mit? Schreibt es mir unter dem Blogpost und lasst uns austauschen.

 

Ich wünsche Euch für das neue Jahr viel Kraft, Zuversicht und Menschlichkeit.

Eure Melina

 

 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Michelle-Kim (Donnerstag, 15 Januar 2026 10:46)

    Was für ein schöner Beitrag in deiner Kolumne, Melina. �

    Ich finde mich in vielen deiner Gedanken und deinem beschriebenen Ablauf wieder. Wenn alles gut organisiert ist, ich einen klaren Plan habe und weiß, was auf mich zukommt, fühle ich mich sicher und wohl. Alles andere bringt mich aus dem Gleichgewicht, verunsichert mich und fühlt sich an, als würde mir alles entgleiten.
    #Perfektionistin oder doch eher #Kontrollzwang?

    Das Augenrollen beim Einkaufen kann ich zu 100 % teilen. Wie oft muss ich umdrehen, weil ich trotz gut organisierter Einkaufsliste und „meinem“ Laden – in dem ich gefühlt jeden Meter kenne – doch wieder etwas vergessen habe.

    Was den Jahreswechsel angeht, wusste ich lange nicht, mit welchem Gefühl ich in das neue Jahr blicken soll.

    Mitte Dezember musste ich einen schweren Schicksalsschlag erleiden: den Verlust unserer Zwillinge in der 15. SSW. Wir haben Weihnachten nicht zelebriert – dabei war es für mich sonst immer eines der schönsten Feste.

    Doch mit dem Jahreswechsel, meinem Mann und guten Freunden an meiner Seite kam gedanklich ein Wendepunkt.
    Statt das vergangene Jahr nur über diesen Verlust zu definieren, habe ich versucht, mich an die schönen Momente zu erinnern:

    meinen 30. Geburtstag am Meer, viele wunderbare Abende mit Freunden, unseren Familienurlaub in Griechenland – etwas ganz Besonderes für uns, da wir zum ersten Mal geflogen sind. Und auch den positiven Schwangerschaftstest, auf den wir zwei Jahre gewartet hatten. Zwillinge, eineiig – ein kleines Wunder der Natur.

    Ja, letztendlich hat sich dies positiv entwickelt. Aber ich wurde schwanger. Endlich.

    Für das neue Jahr habe ich also begonnen, mich auch auf die Momente zu konzentrieren, die mich glücklich machen und auf die ich mich freuen kann:

    Das Konzert - World of Hans Zimmer, ein Städtetrip durch Spanien mit meinem Mann im April, sein 30. Geburtstag, die Hochzeiten zweier unserer engsten Freunde, ein romantisches Wochenende nur für uns – und sicher noch vieles mehr.

    Von daher kann ich sagen, rückblickend betrachtet war 2025 für mich ein Jahr, das mehr genommen als gegeben hat.

    Ein Jahr voller Kämpfe, Zweifel und Momente, in denen ich stärker sein musste, als ich wollte.

    Ich musste lernen, dass ich nicht alles kontrollieren kann, dass Heilung Zeit braucht und dass ich stärker bin, als ich dachte – auch wenn es sich nicht immer so anfühlt.

    Für das neue Jahr wünsche ich mir also keinen perfekten Start.
    Ich wünsche mir Frieden, ehrliche Menschen und die Kraft, mich selbst nicht mehr zu verlieren.

    Und ja ich gehe nicht ohne Narben ins neue Jahr, aber mit Hoffnung.
    Und ich denke, das reicht!